Baustein B Erreichbarkeitsanalyse für Standorte

Die späteren Nutzer/-innen einer Entwicklungsfläche werden sich vor allem dann ein Verkehrsverhalten mit wenig Autonutzung aneignen, wenn der betreffende Standort gut zu Fuß, mit dem Rad sowie mit Bus und Bahn erreichbar ist. Die Erreichbarkeit eines Standorts bestimmt somit die Verkehrsmittelwahl. Erreichbarkeit betrifft nicht nur die Frage, wie man zu einem Plangebiet hinkommt, sondern auch, wie sich von dort die täglichen Wegeziele erreichen lassen.

Bei Wohngebieten sind dies vor allem Kitas, Schulen, Läden, Ärzte, Arbeitsplätze, bei Gewerbegebieten die Wohnorte der Mitarbeiter/-innen, Kitas, Schulen, Bahnhöfe und Autobahnzufahrten.

Die Erreichbarkeit eines Plangebiets ergibt sich aus seiner Lage innerhalb der Siedlungsstruktur sowie seiner Anbindung. Letztere entsteht im Zuge von Neuentwicklungen teilweise neu. Eine gute Standortwahl hat in der Regel aber mehr Einfluss auf das Verkehrsverhalten als die Anbindung eines eher auto-orientierten Standortes an das Rad und ÖPNV-Netz.

Eine Erreichbarkeitsanalyse kann helfen Stärken und Schwächen eines Standortes frühzeitig zu erkennen. So können gute Standortentscheidungen getroffen und Prioritäten für die Ausgestaltung der Anbindung gesetzt werden.

Erreichbarkeitsanalyse durchführen

Eine Erreichbarkeitsanalyse gliedert sich in acht Schritte (Abbildung rechts). Eine Excelvorlage mit allen Schritten findet sich hier.

In Schritt 1 wird festgelegt, für welche Nutzung und Zielgruppe (z. B. „Wohngebiet für junge Familien“) die Analyse durchgeführt werden soll. In Schritt 2 wird die Lage des Standortes beschrieben.

Mit Blick auf die Zielgruppe wird in Schritt 3 definiert, welche Typen von Wegezielen berücksichtigt werden müssen (z. B. „Kitas“) und welche konkreten Einrichtungen im Umfeld zu diesem Wegezieltyp gehören (z. B. „Kita Ostseezwerge“).

In Schritt 4 wird für alle Verkehrsmittel (Fuß, Rad, Bus & Bahn, Auto) ermittelt, mit welchem Aufwand (Zeit, Wegequalität, Umstiege, …) diese Wegeziele erreicht werden können.

Die Erreichbarkeit des Standorts wird so durch ein Set von Noten beschrieben (Schritt 5). Um diese Einzelnoten zu einer Gesamtnote zusammenzufassen, werden sie in Schritt 6 zu einem gewichteten Mittelwert zusammengefasst. Dabei werden Wegezieltypen und Verkehrsmittel höher gewichtet, die für die Zielgruppe eine höhere Bedeutung haben. So ist z. B. die Erreichbarkeit von Schulen und Kitas bei Wohngebieten für junge Familien höher zu gewichtigen als bei Projekten für Seniorenwohnen oder bei gewerblichen Vorhaben. 

Die Ergebnisse (Schritt 7) einer solchen Erreichbarkeitsanalyse lassen sich gleich mehrfach nutzen (Schritt 8). So können zum einen alternative Standorte für ein aktuelles Vorhaben miteinander verglichen werden. Zum anderen kann aber auch analysiert werden, welcher Nutzung und Zielgruppe die Erreichbarkeitseigenschaften eines Standortes am ehesten entsprechen. Dies ist ein wichtiger Baustein für die Entwicklung von Standortprofilen im Baustein E.

Darüber hinaus geben die Ergebnisse einer Erreichbarkeitsanalyse wichtige Hinweise zur Optimierung der Anbindung im Zuge der Projektentwicklung (Bausteine H und J).