MORO „Lebendige Regionen“ Interkommunale Kooperation zur Wohnraumversorgung in der KielRegion

Menschen legen ihre Hände übereinander

Die Wohnraumversorgung ist zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen geworden. Die Gründe hierfür sind ebenso vielfältig wie komplex. In der KielRegion verzeichnet insbesondere die Landeshauptstadt Kiel als Hochschulstandort und attraktiver Wohnort für Neuzugewanderte einen hohen Bevölkerungszuwachs, der sich mittlerweile auch auf die umliegenden Kommunen auswirkt. Gleichzeitig werden immer mehr Dinge des täglichen Lebens im digitalen Raum abgewickelt. Wohnungen werden heutzutage größtenteils über das Internet angeboten, gesucht und auch gefunden.

Insbesondere durch die angespannte Situation am Kieler Wohnungsmarkt haben gerade Menschen, die über kein oder nur geringes Einkommen verfügen oder aus sonstigen Gründen keine langfristige, finanzielle Sicherheit vorweisen können, die nicht oder nur in geringem Maße Deutsch sprechen oder mit einer großen Familie nach Wohnraum suchen, es immer schwerer, diesen auch zu finden.

Mit dem Projekt Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) „Lebendige Regionen“ möchten wir bei der KielRegion dazu beitragen, dass genau diese Menschen mehr Unterstützung bei der Wohnungssuche erfahren. Zum einen dadurch, dass sie einen besseren Zugang zu wichtigen Infos und Wohnungsangeboten erhalten und zum anderen dadurch, dass wir in der Region insgesamt einen strategischen Prozess zur Schaffung von mehr und vor allem mehr bezahlbarem Wohnraum anstoßen.

Für Wohnungssuchende ist es uns darüber hinaus ein besonderes Anliegen, die verschiedenen Teilhabemöglichkeiten in der Region sichtbarer zu machen, um das Einleben und die Orientierung vor Ort für alle einfacher und angenehmer zu gestalten. Denn nur wer in einer eigenen Wohnung lebt und weiß, was er oder sie für Angebote in seiner Nachbarschaft nutzen oder an wen er sich bei Bedarf wenden kann, fühlt sich zu Hause und kann sich aktiv in die Region einbringen.

Wo wollen wir hin?

Ausgehend von der beschriebenen Problemlage entwickeln wir im ersten Schritt zusammen mit unseren Partner/-innen in der KielRegion eine digitale Plattform, auf der wir alle wichtigen Informationen rund um die Themen Wohnen, Mieten und Teilhabe im Wohnumfeld bereitstellen möchten und die langfristig auch von Vermietenden aus der Region genutzt werden soll, um ihre Wohnungsangebote einzustellen.

Unser Ziel besteht darin, eine Plattform zu entwickeln, die den Menschen in der KielRegion praktische Infos und Tipps zur Wohnungssuche und -miete bietet und u. a. aufzeigt, auf was sie bei Bewerbungen achten sollten, welche Suchmöglichkeiten es gibt oder wo sie bei Bedarf weitere Hilfestellungen erhalten können. Diese Informationen richten sich vorrangig an alle Wohnungssuchenden, die einen besonderen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum haben, sollen aber gleichzeitig auch eine Hilfe für Ehrenamtliche oder Berater/-innen darstellen, die Menschen auf Wohnungssuche unterstützen.

In einem zweiten Schritt möchten wir in der KielRegion auf politischer Ebene einen Prozess anstoßen, durch den die Wohnraumsituation insgesamt nachhaltig verbessert werden kann. Dafür führen wir Gespräche mit Wohnungssuchenden und verschiedenen Akteur/-innen der Wohnungswirtschaft, aber auch mit den Verwaltungen in den Kreisen bzw. der Stadt Kiel und erarbeiten Materialien, die einen Gesamtüberblick über das Thema für die KielRegion geben. Dadurch wollen wir ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen Wohnsituation und den Bedarfen in der KielRegion erhalten und anderen Interessierten zur Verfügung stellen.

Was ist die Ausgangslage?

Die Wohnraumversorgung in der KielRegion ist durch die Landeshauptstadt Kiel als Hochschul- und wichtiger Wirtschaftsstandort schon seit Jahren angespannt. Mit der weiterhin steigenden Anzahl an Studierenden, dem unerwartet starken Anstieg der Zugangszahlen von Geflüchteten in der zweiten Jahreshälfte 2015 und Versäumnissen in der nachhaltigen Förderung von Sozialwohnungen hat sich der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum weiter verschärft, sodass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Dies zeigt nicht zuletzt das immer weiter wachsende öffentliche Interesse an diesem Thema.

Entsprechend stehen die Kommunen, Städte und Kreise in der KielRegion vor der Aufgabe, genügend bezahlbaren Wohnraum für alle Wohnungssuchenden zur Verfügung stellen. Die derzeit herrschende Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen Sozialgruppen mit keinem oder nur geringem Einkommen ist nicht nur für die Betroffenen selbst überaus belastend, sondern schadet auch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region. Um die Situation von allen Wohnungssuchenden perspektivisch zu verbessern, müssen verschiedene Ansätze und Modelle zur Wohnraumschaffung und -vermittlung ineinandergreifen.

Was haben wir vor?

Das Projektteam entwickelt – gemeinsam mit Wohnungssuchenden und regionalen Akteur/-innen auf dem Wohnungsmarkt – eine webbasierte Plattform, welche die Wohnungssuche und -vermietung erleichtern sowie Teilhabemöglichkeiten vor Ort aufzeigen soll. Gleichzeitig wird ein strategischer Prozess zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum in der KielRegion angestoßen, um so auch auf politischer Ebene und mit Wohnungsmarktakteur/-innen an Lösungen zu arbeiten.

Die Entwicklung der Webplattform erfolgt mithilfe der Design Thinking-Methode. Diese Methode zeichnet sich vor allem durch ihren partizipativen und kreativen Charakter aus, bei dem die empathische Auseinandersetzung mit der Zielgruppe einen großen Stellenwert einnimmt. Dafür veranstalten wir Workshops und führen Gespräche mit Wohnungssuchenden und -vermietenden sowie weiteren Akteur/-innen, die sich mit der Wohnraumversorgung und Integration der Menschen vor Ort beschäftigen.

 

Was geschah in der 1. Projektphase?

In der ersten Phase (2016-2018) des Projekts „Wohnen – Arbeiten – Lernen – Interkommunale Kooperation zur Integration von Geflüchteten“ (kurz „WAL“) wurde die regionale Kooperation bei der Integration von Geflüchteten in der KielRegion durch die Erarbeitung eines Strategie- und Aktionsplans gefördert. Der regionale Strategie- und Aktionsplan fokussiert die derzeitige Situation von Geflüchteten in der KielRegion und zeigt auf, mit welchen gemeinsamen Maßnahmen in der KielRegion und der Stadt Neumünster die Integration von Geflüchteten zeitnah und dauerhaft verbessert werden kann.

Zusammen mit den beteiligten Akteur/-innen wurde entschieden, sich in der jetzigen Umsetzungsphase (Phase 2) ausschließlich dem Thema Wohnen zu widmen und dieses auf alle Neuzugewanderten und Wohnungssuchenden in der Region als Zielgruppe auszuweiten.

Es wurden zwei wesentliche Einflussfaktoren identifiziert, die für die erfolgreiche Integration von Neuzugewanderten relevant und im Rahmen der Erarbeitung des MOROs perspektivisch umsetzbar sind. Darunter fallen die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum sowie der Zugang zum Wohnungsmarkt. Daneben spielen auch mittelbare Größen wie gesellschaftliche Teilhabe und damit gesellschaftliches Engagement eine wichtige Rolle bei der schnellen und dauerhaften Integration der Menschen am Wohnort.

Weitere Informationen zur ersten Projektphase sowie der regionalen Strategie- und Aktionsplan finden sich hier.

Was ist das MORO „Lebendige Regionen“?

Mit dem Aktionsprogramm „Modellvorhaben der Raumordnung“ (MORO) unterstützt das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) die praktische Erprobung und Umsetzung innovativer, raumordnerischer Handlungsansätze und Instrumente in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, d. h. mit Akteur/-innen vor Ort, in den Regionen.

Das MORO „Lebendige Regionen – Aktive Regionalentwicklung als Zukunftsaufgabe“ soll in ausgewählten Regionen eine räumlich-funktional ausgerichtete, ganzheitliche, auf künftige Entwicklungen fokussierte Regionalentwicklung stärken. Der Sicherung der Daseinsvorsorge, die für die Menschen vor Ort unmittelbar wahrnehmbar ist, kommt mit Blick auf die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse eine besondere Bedeutung zu. Aus einer ganzheitlichen Perspektive sind weitere Bereiche der Regionalentwicklung wie Wirtschaft und Arbeitsplätze, finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen oder die ökologische Situation ebenfalls zu beachten, damit die Regionen ihre Lebendigkeit erhalten und für Bewohner/-innen und Unternehmen weiterhin attraktiv bleiben.

Das MORO „Lebendige Regionen“ besteht aus zwei Projektphasen mit je zwei Jahren Laufzeit. Insbesondere in der zweiten Projektphase werden konkrete Umsetzungsprojekte erprobt. Das MORO-Forschungsfeld fördert insgesamt 12 Modellvorhaben, die seit Mitte 2016 in drei Runden an den Start gegangen sind.Mit dem Aktionsprogramm „Modellvorhaben der Raumordnung“ (MORO) unterstützt das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) die praktische Erprobung und Umsetzung innovativer, raumordnerischer Handlungsansätze und Instrumente in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, d. h. mit Akteuren vor Ort, in den Regionen.

Weitere Informationen zum MORO Lebendige Regionen finden Sie hier.

 

Projektlaufzeit: 1. September 2018 bis 31. August 2020

Fördervolumen: 200.000 €

Ansprechpartnerin

Maria Pape

Neufeldtstraße 6
24118 Kiel

Ansprechpartner

David Westenberg

David Westenberg

Neufeldtstraße 6
24118 Kiel