MORO „Lebendige Regionen“ Interkommunale Kooperation zur Integration von Geflüchteten

Menschen legen ihre Hände übereinander

„Wohnen“ bedeutet für Geflüchtete zunächst „Nothilfe“ – ein Dach über dem Kopf. Wohnen und Nachbarschaft sind aber auch Keimzelle gelingender Integration.

Hinter diesem oft zitierten Satz verbirgt sich keine Floskel, sondern er beschreibt die zentrale Bedeutung des Wohnens als Türöffner für alle Bereiche der gesellschaftlichen Teilhabe. Nur wer in einer eigenen Wohnung lebt, kann sich mit seiner neuen Heimat identifizieren und ein Teil von ihr werden.

Darum hat sich die KielRegion im Rahmen des MORO „Lebendige Regionen“ zum Ziel gesetzt, die Wohnraumsituation für geflüchtete Menschen in der Region zu verbessern.

 

Wo wollen wir hin?

Unser Ziel besteht darin, dass jede/r Geflüchtete, die/der dauerhaft oder auf unabsehbare Zeit in der KielRegion lebt, die Möglichkeit erhält, eine eigene Wohnung zu beziehen. Dafür brauchen wir ein ausreichendes Angebot an verfügbaren, bezahlbaren Wohnungen. Das neu zu schaffende Wohnungsangebot soll sich an alle Personen richten, die sich aus eigener Kraft nicht am Markt mit Wohnraum versorgen können. Es ist nicht auf Geflüchtete beschränkt und zielt auf eine gut durchmischte und stabile Nachbarschaftsstruktur. Die Nachbarschaften sollen so gestaltet sein, dass Geflüchtete und andere Bedarfsgruppen sich problemlos integrieren können und ihre Bedarfe berücksichtigt werden.

Eine eigene Wohnung reicht jedoch nicht aus. Für ein gutes Miteinander sind daneben integrationsfördernde begleitende Maßnahmen erforderlich, die das Dach über dem Kopf zum Zuhause werden lassen. Gemeinschaft lässt sich nicht verordnen, kann aber vor Ort durch vielerlei Aktionen, Informationen, Beratung und Betreuung wachsen.

Wohnraumversorgung und funktionierende Nachbarschaften können nur in gemeinsamer Anstrengung der Träger der Wohnungsversorgung, der Eigentümerinnen und Eigentümern der Wohnungsbestände, der Kommunen, des Landes sowie der Menschen vor Ort gelingen. Wir streben darum eine offene, transparente und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten an.

 

Was ist die Ausgangslage?

Mit dem unerwartet starken Anstieg der Zugangszahlen in der zweiten Jahreshälfte 2015 ist der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen – welcher unabhängig vom Zuzug der Flüchtlinge bereits bestand – in der KielRegion nochmals deutlicher geworden. Der Rückgang der sehr hohen Flüchtlingszahlen hat zwar den unmittelbaren Druck auf einige Themenfelder, etwa die akute Unterbringungssituation in Erstaufnahmeeinrichtungen, verringert, nichtsdestotrotz gestaltet sich die tatsächliche Integration weiterhin als gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe.

Entsprechend stehen die Gemeinden, Städte und Kreise in der KielRegion vor der Aufgabe, den Weg der Geflüchteten zwischen Ankommen und Zusammenleben zu organisieren. Zentrale Fragen sind hierbei, wie die Neuankömmlinge in die Gesellschaft, in die Wohn- und Arbeitsmärkte, in den Städten und auf dem Land integriert werden können, und wie aus den zunächst Fremden möglichst zügig Nachbarn, Arbeitskolleg*innen und Freunde werden.

In vielen Fällen leben Geflüchtete lange Zeit in Not- und Gemeinschaftsunterkünften. Die dezentrale Unterbringung in Wohnungen gelingt nur ansatzweise, obwohl viele Argumente hierfür sprechen: ein höherer humanitärer Standard für die betroffenen Menschen, bessere Voraussetzungen für den Spracherwerb und eine erleichterte Integration in die lokale Umgebung. Um die Situation der Geflüchteten perspektivisch zu verbessern, müssen verschiedene Ansätze und Modelle zur Wohnraumschaffung und -vermittlung ineinandergreifen. Daneben spielen auch mittelbare Größen wie gesellschaftliche Teilhabe und das bürgerschaftliche Engagement eine wichtige Rolle bei der schnellen und dauerhaften Integration der Menschen am Wohnort.

 

Was haben wir vor?

Das Projektteam entwickelt – gemeinsam mit Geflüchteten und regionalen Akteur*innen – einerseits eine webbasierte Plattform, welche die Wohnungssuche erleichtert und Teilhabemöglichkeiten vor Ort aufzeigt. Andererseits wird ein strategischer Prozess zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum in der KielRegion angestoßen, um so auch die politische Ebene und Wohnungsmarktakteure für das Thema zu sensibilisieren.

Die Entwicklung der Webplattform erfolgt mithilfe der Design Thinking-Methode. Derzeit wird der Entwicklungsprozess konkretisiert, ein interdisziplinäres Team zusammengestellt und die ersten Workshops geplant. Zudem wird eruiert, welche vergleichbaren Projekte gelaufen sind, welche Schlüsse wir bereits vor Beginn der Umsetzung daraus ziehen können und wie sich daran anknüpfen lässt. Hierzu werden gute Beispiele recherchiert und Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen.

 

Was geschah in der 1. Projektphase?

In der ersten Phase (2016-2018) des Projekts „Wohnen – Arbeiten – Lernen – Interkommunale Kooperation zur Integration von Geflüchteten“ (kurz „WAL“) wurde die regionale Kooperation bei der Integration von Geflüchteten in der KielRegion durch die Erarbeitung eines Strategie- und Aktionsplans gefördert.

Der regionale Strategie- und Aktionsplan zeigt auf, wie sich einerseits die derzeitige Situation um die Integration von Flüchtlingen darstellt, und andererseits mit welchen gemeinsamen Maßnahmen in der KielRegion und der Stadt Neumünster die Integration von Geflüchteten zeitnah und dauerhaft verbessert werden kann.

Zusammen mit den beteiligten Akteuren wurde entschieden, sich in der jetzigen Umsetzungsphase (Phase 2) ausschließlich dem Thema Wohnen zu widmen. Hier wurde der größte Handlungsbedarf gesehen. Dabei wurden zwei wesentliche Einflussfaktoren identifiziert, die für die erfolgreiche Integration von Geflüchteten relevant und im Rahmen der Erarbeitung des MOROs perspektivisch umsetzbar sind. Darunter fallen die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum sowie der Zugang zum Wohnungsmarkt. Daneben spielen auch mittelbare Größen wie gesellschaftliche Teilhabe und damit gesellschaftliches Engagement eine wichtige Rolle bei der schnellen und dauerhaften Integration der Menschen am Wohnort.

Weitere Informationen zur ersten Projektphase sowie der regionalen Strategie- und Aktionsplan finden sich hier.

 

Was ist das MORO „Lebendige Regionen“?

Mit dem Aktionsprogramm „Modellvorhaben der Raumordnung“ (MORO) unterstützt das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) die praktische Erprobung und Umsetzung innovativer, raumordnerischer Handlungsansätze und Instrumente in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, d.h. mit Akteuren vor Ort, in den Regionen.

Das MORO „Lebendige Regionen – Aktive Regionalentwicklung als Zukunftsaufgabe“ soll in ausgewählten Regionen eine räumlich-funktional ausgerichtete, ganzheitliche, auf künftige Entwicklungen fokussierte Regionalentwicklung stärken. Der Sicherung der Daseinsvorsorge, die für die Menschen vor Ort unmittelbar wahrnehmbar ist, kommt mit Blick auf die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse eine besondere Bedeutung zu. Aus einer ganzheitlichen Perspektive sind weitere Bereiche der Regionalentwicklung wie Wirtschaft und Arbeitsplätze, finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen oder die ökologische Situation ebenfalls zu beachten, damit die Regionen ihre Lebendigkeit erhalten und für Bewohner und Unternehmen weiterhin lebenswert bleiben.

Das MORO „Lebendige Regionen“ besteht aus je zwei Projektphasen mit je zwei Jahren Laufzeit. Insbesondere in der zweiten Projektphase werden konkrete Umsetzungsprojekte erprobt. Das MORO-Forschungsfeld ist fördert insgesamt 12 Modellvorhaben, die seit Mitte 2016 in drei Runden an den Start gegangen sind.

Weitere Informationen zum MORO Lebendige Regionen finden Sie hier.

 

Projektlaufzeit: 1. September 2018 bis 31. August 2020

Fördervolumen: 200.000 €

Ansprechpartner

Martin Kliesow

Neufeldtstraße 6
24118 Kiel

Ansprechpartner

David Westenberg

David Westenberg

Neufeldstraße 6
24118 Kiel