Gecko-Tape aus Kiel

Gecko-Fuß

Die Wunderfolie zum Haften

Dass dieses weiche, gummiartige Silikon das Gewicht eines erwachsenen Mannes aushalten kann, ist kaum zu glauben. Doch der 33-jährige Lars Heepe baumelt von der Decke im Biologieturm der Christian-Albrechts zu Kiel (CAU). Er hängt an einer Plexiglasscheibe, auf die ein ganz besonderes Material angebracht ist – das sogenannte Gecko-Tape. Diese patentierte Wunderfolie macht das scheinbar Unmögliche möglich. Das Geheimnis dahinter steckt, wie der Name schon sagt, in der Natur.

Die Natur setzt auf Pilzköpfe

Die Technik hat sich das Team um Physikingenieur Dr. Lars Heepe und dem Biologen Prof. Dr. Stanislav Gorb bei Gecko, Käfer und Spinne abgeguckt. Denn diese Tiere können sich problemlos an Decken fortbewegen ohne herunterzufallen. „Geckos und Käfer haben dasselbe Problem auf die gleiche Weise gelöst: Tausende von kleinen Hafthärchen sorgen für einen unfassbar starken Halt. Einige Käferarten haben spezielle Pilzkopf-förmige Hafthaare, die besonders gut haften. An diesen haben wir uns für das Tape orientiert“, erklärt Lars Heepe. Allein der Marienkäfer könne auf diese Weise zirka das 60-fache seines Körpergewichts halten, beim Gecko sei es sogar mehr als das Hundertfache.

Der Superkleber ohne Klebstoff

Seit fast zehn Jahren arbeitet Lars Heepe an der Gecko-Technologie. Das Spannende für ihn daran: Die Biologie für die Technik nutzbar zu machen. Das Unternehmen Gottlieb Binder aus Baden-Württemberg ist Partner des Projektes. Die Firma hat das Material unter Mithilfe der Expertise aus Kiel entwickelt und produziert.

Durch diese enge Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft könne der Physikingenieur sehen, was seine Arbeit in der Industrie tatsächlich bewirken kann. „Ich verfolge mit großer Spannung, wofür man das Gecko-Tape in der wirklichen Welt verwendet. Dadurch bekommt unsere Arbeit noch mehr Legitimation“, meint Heepe. Wo genau die Wunderfolie zum Einsatz kommt, könne er allerdings nicht verraten – Betriebsgeheimnis. Denkbare Möglichkeiten für den umweltfreundlichen Superkleber ohne Klebstoff reichen vom Haushalt bis in die Medizin. Denn das Material haftet sogar auf feuchten oder rutschigen Untergründen. Es lässt sich rückstandsfrei ablösen und somit auch immer wieder verwenden.

Gecko-Tape hält Seepocken unter Wasser fern

Nach jahrelanger Forschung rund um das Gecko-Tape dachte Heepe eigentlich, dass das Projekt nun beendet sei. Doch vor Kurzem entdeckten er und sein Team, dass das Material sogar unter Wasser besondere Eigenschaften zeigt. Dank der Pilzkopf-Struktur können sich Muscheln, Seepocken und Co. nicht lange an Schiffen halten. Sie fallen nach einiger Zeit einfach wieder ab. Der Bewuchs, der für Schiffe wie eine Art Bremse wirkt, kann durch eine Schicht Superkleber abgehalten werden. Bisher wird hierfür eine giftige Lackierung verwendet – das Gecko-Tape könnte eine umweltfreundlichere Alternative sein. Derzeit wird das Material an einigen Schiffen in Kooperation mit dem Kieler Yacht Club getestet. Im Oktober sollen dann die ersten Ergebnisse vorliegen.

Gecko-Tape aus Kiel

Adresse

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Christian-Albrechts-Platz 4
24118 Kiel

www.uni-kiel.de

Impressionen

Gecko-Tape
Gecko-Fuß
Käfer
Struktur Gecko-Tape
Lars Heepe baumelt an Gecko-Tape