Spielende Tiere auf dem Lehrplan

Katrin Mahlkow-Nerge  ist Professorin am Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel. Sie  hat in den vergangenen 30 Jahren in vielfältiger Weise mit und für Kühe gearbeitet und kennt die Arbeit an der Mistforke genauso wie die im Hörsaal. Bei ihr steht auch der Lehrinhalt "Spielende Tiere" auf dem Lehrplan.

„Durch das Beobachten des Verhalten eines Tieres können wir viel über seine Stimmung und seinen Zustand erfahren“, erklärt Professor Dr. Katrin Mahlkow-Nerge. Sie ist sich sicher: „Wir müssen die Landwirtinnen und Landwirte und auch den akademischen Nachwuchs wieder stärker für die Beobachtung des Tierverhaltens sensibilisieren, da wurde in den vergangenen Jahren zu wenig unternommen.“

Kälber müssen spielen

„Wenn die Kälber nicht mehr spielen, dann stimmt was nicht!“, sagt Thomas Sievers aus Rickert im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Für ihn ist das Verhalten seiner 130 Milchkühe und deren weiblichen Nachwuchs ein wichtiges Signal für das Wohlbefinden der Herde. „Ich kenne jedes einzelne Tier und seine jeweiligen Eigenarten“, erklärt der Milchviehhalter auf dem Futtergang seines Boxenlaufstalls, „da gibt es zurückhaltendere und recht dynamische Charaktere“. Eine Gruppe von sechs Kälbern kommt aus einer Kälberhütte und läuft durch einen mit Stroh eingestreuten Bereich. Zunächst aufmerksam, geben fünf der Kälber „Gas“ und toben durch das Stroh. Das sechste Kalb bleibt dagegen mit leicht hängenden Ohren zurück. „Bei dem Kalb muss ich nachher mal Fieber messen, da stimmt etwas nicht“, diagnostiziert Sievers.

Beobachtung schont Geldbeutel

Dabei ist das Verhalten von Rind, Schwein und Huhn in mehrfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung für die moderne Landwirtschaft. Mahlkow-Nerge und Landwirt Sievers verweisen zunächst auf die Funktion des Verhaltens als Frühindikator für Erkrankungen. „Wer mit Sorgfalt zum Beispiel auch auf das Spiel seiner Kälber achtet, der erkennt kränkelnde Tiere schneller und kann frühzeitig mit einer Behandlung beginnen“, so die Professorin. Und Sievers pflichtet bei: „Damit erspare ich dem Tier unnötiges Leiden und schone meinen Geldbeutel, wenn ich die Sache dann auch ohne Tierarzt in den Griff bekomme.“ Ein Ausleben des Spieltriebs der Kälber ist auch für die soziale Entwicklung von Bedeutung. Neuere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Kühe, die im frühen Alter ausgiebig Gelegenheit zum Spielen mit anderen Kälbern hatten, später intelligenter und sozialer sind als jene, die ihren natürlichen Spieltrieb als Kalb nicht ausleben konnten.

Kühe mögen es ruhiger

Beim Betreten des neuen und sehr geräumigen Kuhstalls fällt die ausgeprägte Ruhe der Kühe auf. „Sicherlich unterscheiden sich Kühe und Kälber grundlegend in bestimmten Verhaltensweisen, so auch in der Art des Spielens“, erklärt die Professorin. Thomas Sievers fügt hinzu: „Nein, so richtig spielen Kühe nicht mehr.“ Dennoch gibt es Momente im Tagesablauf von Kühen, die durchaus als Spielen im weiteren Sinne eingeordnet werden können. Als ausgesprochen angenehm empfinden es Kühe, wenn ihr Stall mit einer elektrischen Kuhbürste ausgestattet ist. Hier lassen sich die Kühe spielerisch den Rücken und andere Körperstellen bürsten und genießen das Procedere mit ausgeprägter Passion. „Meine Damen genießen das besonders an den Stellen, die sie mit der Zunge nicht selbst erreichen können.“

Prüfung im Kuhstall

Spielen als Teil des Verhaltens von landwirtschaftlichen Nutztieren ist bei Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge auch Gegenstand des Wahlpflichtmoduls „Praktisches Fütterungscontrolling“. Dieses Modul bot sie 2016 zum ersten Mal an. „Einige der Studis sagten, dass sie die gewonnenen Erkenntnisse schon sofort im eigenen Betrieb umgesetzt haben und ihre Tiere und die Stallungen mit ganz anderen Augen sehen“, freut sich die Professorin. „Da sieht man, dass unsere Junglandwirte ausgesprochen an einer Optimierung der Lebensbedingungen ihrer Tiere interessiert sind.“

Dieser Beitrag ist in seiner Langfassung in der "viel.", dem Campusmagazin der FH Kiel 02/2016 erschienen.

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