Digitalisierung

Uni-Hochhaus mit Tetris-Spiel

Digitalisierung erleben, Netzwerke schaffen und Möglichkeiten eröffnen: In einem Roadmap-Prozess stellen wir uns unter der Leitung der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein aktuellen Fragen rund um die Digitalisierung. Was bedeutet Digitalisierung für die KielRegion mit ihren ländlichen und städtischen Räumen? Was bedeutet sie für die vielen mittelständischen Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen? Welche Chancen ergeben sich und was ist zu tun, um die KielRegion leistungsfähig aufzustellen? Fest steht: Digitalisierung findet nicht nur in Metropolen statt. Deswegen arbeiten wir aktiv an der intelligenten Vernetzung. Mehr zum Regionalbudget Projekt Region-Digital und zur Digitalisierung in der Region erfahren Sie hier.

Das Land Schleswig-Holstein hat im Dezember 2016 die Digitale Agenda Schleswig-Holstein veröffentlicht. Dort heißt es: „In der digitalen Welt ist Schleswig-Holstein mittendrin und nicht mehr durch eine geografische Randlage benachteiligt.“ Neue Arbeits- und Wirtschaftsformen erlauben es einer wachsenden Zahl an Menschen, ihren Arbeitsort frei zu wählen. Davon kann die KielRegion als eine Region mit hoher Lebensqualität und einer guten digitalen Infrastruktur profitieren. Wichtig dafür ist unter anderem der weitere Ausbau einer guten Infrastruktur. Schon heute belegt Schleswig-Holstein eine Spitzenposition beim Breitbandausbau. Laut Digitaler Agenda ist bis 2020 mit einer Abdeckung von 50 Prozent Glasfaseranschlüssen zu rechnen, bis 2022 dürfte dieser Wert auf zwei Drittel steigen, 2030 soll die Flächendeckung erreicht sein. Nicht zuletzt bietet diese Entwicklung die Chance, ländliche Räume neu zu beleben, und jungen Menschen eine Zukunft in der Region zu bieten.

Mindestens genauso wichtig wie die Infrastruktur sind (Fach)Wissen und Wissenstransfer. Mit der Digitalen Woche Kiel engagiert sich hier die Landeshauptstadt Kiel und stärkt die Region weiter als Standort für die digitale Wirtschaft.


Drei Fragen an…

Gerald Swarat vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE:

1. Warum ist Digitalisierung auch für ländliche Räume so wichtig?

Der Großteil der deutschen Bevölkerung lebt außerhalb der großstädtischen Ballungszentren. Außerdem treffen diese Regionen die Auswirkungen von Fachkräftemangel, demographischer Entwicklung, Landflucht und Infrastrukturverfall sehr hart. Diese Kombination wird im Angesicht der potenzierenden Faktoren wie Digitalisierung und Globalisierung ohne weiteres Gegensteuern negative Auswirkungen haben, die wir momentan in Europa spüren, aber auch z.B. im Wählerverhalten in den USA erlebt haben. Wir nehmen hier die Herausforderung an und haben mit den Digitalen Dörfern einen wichtigen Schritt getan, der nun auch in anderen Bundesländern nachvollzogen wird (eDorf, Bayern). Und das ist wichtig, denn Deutschland lebt von seiner dezentralen Prosperität und von den Eigenheiten, Traditionen und Erzeugnissen seiner vielfältigen Regionen. Diese Menschen dürfen wir nicht vergessen!

2. Hast du zwei praktische Beispiele, wie Digitalisierung unser Leben besser/schöner/leichter macht?

Die Digitalisierung ist bereits so eng und selbstverständliche mit unserem Leben verwoben, dass viele riesige Erleichterungen bereits als Normalität erscheinen. Ganz persönlich geantwortet: Die Art, wie es mir möglich ist, zu arbeiten, was Ort, Zeit und Zusammenarbeit mit den Kollegen in Kaiserlautern angeht und zugleich ein erfülltes Familienleben zulässt, ist ohne die Chancen der Digitalisierung schier nicht denkbar. Aber auch z.B. der Zugang zu Kunst und Kultur, zu Bildung und Lernen ist ein riesiger Segen und fördert wieder softe Eigenschaften zu Tage wie Kreativität, Problemlösungsfähigkeiten, Eigeninitiative, Teamwork, Kompromissfähigkeit und vieles mehr. Enorme Chancen birgt die Digitalisierung auch für Umwelt, Klima und Lebensqualität, wir müssen es nur gestalten. Vernetzte Fabriken und 3D-Drucker produzieren z.B. mit weniger Ressourcen und Energieaufwand mehr Güter. Ein wichtiger Punkt ist außerdem das Anwendungspotenzial von Telemedizin, was z.B. die Überwachung der Vitalfunktionen von Patienten angeht oder die Online-Kommunikation. Aber auch im Bereich der ambulanten Pflege kann im ländlichen Raum trotz Ärztemangel mithilfe digital-gestützter Lösungen ein qualitatives Mehr an Beziehungen zwischen Patienten und Pflegepersonal erzielt werden. Ganz wichtig an dieser Stelle, und hier können wir als Fraunhofer IESE auch unsere Expertise einbringen, sind der Schutz von Privatsphäre und aktive Datenschutz die überdacht, organisiert und nach klaren Standards ausgerichtet werden müssen.

3. Was glaubst du, wird die wichtigste Entwicklung in den nächsten Jahren sein?

An einer Antwort zu dieser Frage haben sich schon ganz andere Persönlichkeiten verhoben. Für eine ernsthafte Prognose fehlt mir da also zum Glück die Selbstüberschätzung und Eitelkeit. Ich denke aber, wir müssen nur sicherstellen, dass die technologischen Möglichkeiten dem Wohl der Menschen, der Gesellschaft und unserer Umwelt dienen und dass der gesellschaftliche Diskurs darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, nicht der technologischen Entwicklung hinterherhängt. Das ist vielleicht esoterisch, aber ich wurde ja nicht gefragt, was wir in 2017 umsetzen werden. Digitale Souveränität erlangt eine Gesellschaft nicht von allein und per Knopfdruck. Es hilft wahrscheinlich nur ein langer Atem und ständiges Probieren und aus Fehlern lernen, denn auch wenn die Digitalisierung schnell ist, so lassen sich Gewohnheiten, Vorurteile, Ängste und Kultur nicht über Nacht ändern.

Im Interview

Gerald Swarat

Gerald Swarat
Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE